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UBS-Stellenabbau 2026: Was 3'000 Kündigungen für den Schweizer IT-Arbeitsmarkt bedeuten
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UBS-Stellenabbau 2026: Was 3'000 Kündigungen für den Schweizer IT-Arbeitsmarkt bedeuten

21. März 20269 Min.1

Die UBS schliesst die CS-Integration ab – und Tausende IT-Fachkräfte stehen vor dem Aus. Welche Skills auf den Markt kommen, wer profitiert und was Betroffene jetzt tun sollten.

Wer in den letzten drei Jahren in der Schweizer IT-Branche gearbeitet hat, kennt dieses Gefühl: Da ist ein leises Rauschen im Hintergrund, ein permanentes Grundrauschen aus Gerüchten, Reorganisationen und Abbauwellen. Seit die UBS im März 2023 die Credit Suisse übernommen hat, ist dieses Rauschen lauter geworden. Deutlich lauter. Und jetzt, Anfang 2026, wird es zum Donnern.

CEO Sergio Ermotti hat bei der Präsentation der Jahreszahlen 2025 bestätigt, was viele befürchtet haben: Die nächste grosse Entlassungswelle kommt. Hauptsächlich im zweiten Halbjahr 2026, mit Ausläufern bis Anfang 2027. Allein in der Schweiz rechnet die Bank mit rund 3'000 Kündigungen. Und diesmal trifft es vor allem einen Bereich, der bisher das Rückgrat der Integration bildete – die IT.

Die Integrations-Maschine läuft – und spuckt Tausende aus

Die Zahlen sind brutal in ihrer Klarheit. Vor der Zusammenlegung verfügten UBS und CS zusammen über 156'100 Vollzeitstellen – intern und extern. Heute sind es noch 119'589. Das sind 36'511 gestrichene Positionen in drei Jahren. Und wir reden hier nicht über abstrakte Zahlen in einem Geschäftsbericht, sondern über Menschen, die ihren Arbeitsplatz verloren haben. Familien in Zürich, Winterthur, Basel und Bern, die sich neu orientieren mussten.

Die technische Integration macht derweil Fortschritte, die beeindruckend wären – wenn sie nicht so direkt mit Stellenabbau verknüpft wären. 85 Prozent der rund 1.1 Millionen Kundenkonten in der Schweiz sind bereits auf die UBS-Plattformen migriert. Bis Ende Q1 2026 soll die Migration vollständig abgeschlossen sein. Danach? Danach wird die alte CS-Informatikinfrastruktur stillgelegt. Und damit werden die Menschen, die diese Infrastruktur betrieben, gewartet und migriert haben, schlicht nicht mehr gebraucht.

Entlassungen sind ein schmerzhafter Prozess, den die Bank so schonend wie möglich umsetzt. Wo möglich, werden Mitarbeitende umgeschult und für vakante Positionen eingestellt.

Sergio Ermotti, CEO UBS, bei der Präsentation der Jahreszahlen 2025

«So schonend wie möglich» – das klingt nach Empathie. Doch wer schon einmal eine Massenentlassung miterlebt hat, weiss: Für die Betroffenen fühlt sich das selten schonend an. Besonders dann nicht, wenn gleichzeitig der UBS-Aktienkurs seit der Übernahme um über 100 Prozent gestiegen ist und die Bank 2025 einen Gewinn von 7.8 Milliarden Dollar ausweist.

UBS zeigt weiteren 3'000 Mitarbeitern die Tür.
Der Stellenabbau seit der CS-Übernahme in Zahlen: Über 36'000 Positionen gestrichen, weitere 3'000 folgen allein in der Schweiz.

Warum es diesmal vor allem die IT trifft

Was viele nicht wissen: Die Credit Suisse hatte in der Vergangenheit massiv IT-Arbeiten ausgelagert. Externe Firmen und Abteilungen, die explizit für die CS arbeiteten, erledigten einen Grossteil der Informatik-Aufgaben. Ende 2022 gab es noch 33'013 externe Stellen. Heute sind es rund 16'000 – die Zahl hat sich praktisch halbiert. Der Rotstift wurde also bei den Externen besonders hart angesetzt, und dieser Trend wird sich fortsetzen.

Die Logik dahinter ist so einfach wie gnadenlos. Sobald die Kontenmigration abgeschlossen ist, werden die alten CS-Systeme abgeschaltet. Damit entfällt der gesamte Betrieb, die Wartung und der Support für eine komplette Banken-IT-Landschaft. Parallel dazu enden die Integrationsprojekte – und Integrationsprojekte sind per Definition endlich. Wer zwei Systemlandschaften zusammenführt, macht sich selbst überflüssig. Das ist die bittere Ironie dieser Arbeit.

  • Betrieb und Wartung der alten CS-Kernbankensysteme – fällt komplett weg nach der Stilllegung
  • Migrationsteams für Kontentransfers, Datenbereinigung und Systemabgleich – Projekt abgeschlossen, Team aufgelöst
  • Externe IT-Dienstleister, die exklusiv für die CS arbeiteten – Verträge laufen aus oder werden gekündigt
  • Support-Teams für CS-spezifische Applikationen und Schnittstellen – keine Systeme mehr, kein Support nötig
  • Testmanagement und Qualitätssicherung der Migration – mit dem letzten migrierten Konto endet auch diese Aufgabe

Welche Skills jetzt auf den Markt gespült werden

Spannend wird es bei der Frage, welche Kompetenzen da eigentlich freigesetzt werden. Denn wir reden nicht über irgendwelche IT-Generalisten. Der UBS-/CS-Stack ist spezifisch, komplex und in Teilen hochspezialisiert. Wer die Schweizer Banking-IT kennt, weiss: Hier arbeiten Leute, die Systeme verstehen, von denen die meisten Entwickler noch nie gehört haben – und gleichzeitig modernste Cloud-Technologien beherrschen.

  • Java-Entwickler mit tiefem Backend-Know-how – Java ist seit Jahren die Lingua franca der UBS-Kernbankensysteme, insbesondere für Transaktionsverarbeitung und Risikomanagement
  • C#/.NET-Spezialisten – die CS setzte stark auf .NET für Front-Office-Tools, interne Applikationen und Reporting-Systeme; viele dieser Profile kommen jetzt auf den Markt
  • Integrationsspezialisten mit Erfahrung in Middleware-Technologien wie Kafka, MuleSoft und Tibco – das Rückgrat jeder Banken-Migration
  • Datenbank-Profis (SQL Server, Oracle) und ETL-Spezialisten, die grosse Datenmigrationen von A nach B gebracht haben
  • DevOps- und Cloud-Engineers mit Azure-Fokus (teilweise AWS) – die UBS hat massiv in Cloud-Transformation investiert, Kubernetes und CI/CD-Pipelines inklusive
  • Mainframe- und COBOL-Entwickler für Legacy-Systeme – eine aussterbende, aber in bestimmten Branchen immer noch gefragte Nische
  • Projektmanager, Business Analysten und Testmanager mit regulatorischem Banking-Know-how (FINMA-Compliance, Basel III, MiFID II)

Interessant ist auch die Kombination dieser Skills. Ein Java-Entwickler, der gleichzeitig regulatorische Anforderungen versteht und weiss, wie man eine Datenmigration unter FINMA-Aufsicht durchführt – das ist kein Standardprofil. Das ist jemand, der in drei Monaten Einarbeitungszeit mehr Wert liefert als ein frischer Absolvent in einem Jahr. Und genau solche Profile werden jetzt zu Hunderten verfügbar.

Der Zürcher Arbeitsmarkt unter Druck

Ein Blick auf die Zahlen zeigt, wie angespannt die Lage bereits ist. Im Kanton Zürich stammten im September 2025 fast zehn Prozent der Arbeitslosen aus dem Finanzsektor. Zehn Prozent. In einem Kanton, der sich als Finanzzentrum von Weltrang versteht, ist das ein alarmierender Wert. Und jetzt kommen nochmals 3'000 Kündigungen bei aktuell 34'182 Vollzeitstellen in der Schweiz – das entspricht fast neun Prozent der gesamten UBS-Belegschaft hierzulande.

Wer sich an die Entlassungswellen bei der CS in den Jahren 2015 und 2016 erinnert, kennt das Muster: Wenn Tausende IT-Spezialisten mit ähnlichen Profilen gleichzeitig auf den Markt kommen, passiert etwas mit den Gehältern. Sie sinken. Nicht dramatisch, aber spürbar. Recruiter berichten, dass Kandidaten plötzlich flexibler bei Lohnverhandlungen werden. Suchzeiten verlängern sich von wenigen Wochen auf drei, vier, manchmal sechs Monate. Für Senior-Profile mit sehr spezifischem Banking-Stack kann es sogar länger dauern – weil der nächste Arbeitgeber, der genau Avaloq oder Temenos-Expertise braucht, vielleicht gerade nicht sucht.

Skyline des Zürcher Finanzviertels mit Paradeplatz und Bankengebäuden, symbolisch für den Umbruch im Schweizer Finanzsektor
Der Paradeplatz im Wandel: Zürichs Finanzsektor erlebt den grössten Personalumbruch seit der Finanzkrise 2008.

Die andere Seite: Wer von diesem Talent-Pool profitieren könnte

Aber – und das ist die gute Nachricht in dieser Geschichte – es gibt eine andere Seite der Medaille. Denn während die UBS abbaut, suchen andere Unternehmen händeringend genau die Profile, die jetzt frei werden. Regulatorisches Know-how, Erfahrung mit komplexen Systemlandschaften, Belastbarkeit in Grossprojekten – das sind Eigenschaften, für die Arbeitgeber in der Schweiz viel Geld zahlen. Oder besser gesagt: zahlen würden, wenn sie die Leute finden würden.

  • Kantonalbanken und Regionalbanken – viele stehen selbst vor Modernisierungsprojekten und brauchen Leute, die wissen, wie man Kernbankensysteme migriert, ohne dass der Betrieb stillsteht
  • Versicherungen (Swiss Re, Zurich, Helvetia) – der regulatorische Rahmen ist ähnlich, die Systemkomplexität vergleichbar, und die Digitalisierung steckt vielerorts noch in den Anfängen
  • Pharma in Basel (Roche, Novartis) – Integrationsspezialisten und Datenbank-Profis werden für die eigene digitale Transformation gesucht, und die Saläre sind konkurrenzfähig
  • Beratungshäuser und IT-Dienstleister wie Accenture, Zühlke, Swisscom oder Adesso – sie könnten gezielt UBS-erfahrene Fachkräfte abwerben, um ihr Banking-Portfolio zu stärken
  • Fintechs und Neobanken – für Startups wie Neon, Yapeal oder Radicant ist das eine seltene Gelegenheit, erfahrene Banking-Entwickler zu Konditionen zu gewinnen, die vor zwei Jahren undenkbar gewesen wären

Übrigens: Auch der öffentliche Sektor könnte profitieren. Die Bundesverwaltung und verschiedene Kantone treiben gerade grosse IT-Projekte voran – von der Digitalisierung des Gesundheitswesens bis zur Modernisierung der Steuerverwaltung. Wer Erfahrung mit regulierten Umgebungen hat, bringt genau die Denkweise mit, die in solchen Projekten gefragt ist. Die Gehälter sind zwar tiefer als im Banking, aber die Jobsicherheit und die Work-Life-Balance können das für viele mehr als ausgleichen.

Was betroffene IT-Fachkräfte jetzt tun sollten

Falls du zu den Betroffenen gehörst – oder ahnst, dass du es bald sein könntest – dann ist jetzt nicht die Zeit für Schockstarre. Die gute Nachricht: Du hast Erfahrung, die gefragt ist. Die weniger gute: Du musst möglicherweise daran arbeiten, wie du diese Erfahrung verpackst und welche Lücken du schliesst. Hier ein konkreter Fahrplan.

  1. Skill-Audit durchführen: Trenne ehrlich zwischen banking-spezifischen Technologien (Avaloq, Temenos, proprietäre CS-Systeme) und marktgängigen Skills (Java, C#, Kafka, Kubernetes). Wo gibt es Lücken? Wo bist du veraltet?
  2. Cloud-Zertifizierungen nachholen: Azure und AWS Zertifikate sind im Schweizer Markt fast schon Pflicht. Ein AZ-900 oder AZ-104 lässt sich in wenigen Wochen erarbeiten und signalisiert Arbeitgebern, dass du am Puls der Zeit bist.
  3. Netzwerk aktivieren – jetzt, nicht erst nach der Kündigung: Geh an Meetups, werde in der Schweizer IT-Community sichtbar, pflege dein LinkedIn-Profil. Viele der besten IT-Jobs in Zürich und der restlichen Schweiz werden nie öffentlich ausgeschrieben.
  4. Umschulung ernsthaft prüfen: Wer jahrelang Mainframe und COBOL gemacht hat, sollte den Sprung Richtung Cloud-native Development, Data Engineering oder Cybersecurity in Betracht ziehen. Programme wie die ICT-Berufsbildung Schweiz bieten hier Orientierung.
  5. Branchenwechsel nicht ausschliessen: Deine Erfahrung mit regulierten Umgebungen, Compliance und Grossprojekten ist in Pharma, Versicherungen und dem öffentlichen Sektor Gold wert – auch wenn du noch nie ausserhalb des Bankings gearbeitet hast.
  6. Finanzielles Polster prüfen: Klingt banal, ist aber wichtig. Rechne mit einer Suchzeit von drei bis sechs Monaten. Wer diesen Puffer hat, kann strategischer verhandeln statt den erstbesten Job anzunehmen.

Ein Tipp aus der Praxis: Unterschätze nicht den Wert deiner Projektdokumentation. Wer nachweisen kann, dass er eine Migration von 500'000 Konten mitverantwortet hat, ohne dass ein einziger Franken verloren ging – das ist ein Argument, das in jedem Bewerbungsgespräch zieht. Sammle Zahlen, Ergebnisse, Referenzen. Jetzt, solange du noch Zugang hast.

Ein Umbruch, der den ganzen Markt verändert

Wer einen Schritt zurücktritt und das Gesamtbild betrachtet, sieht etwas Paradoxes. Die Schweiz hat seit Jahren einen ausgewiesenen IT-Fachkräftemangel. Gleichzeitig werden Tausende erfahrene IT-Profis freigesetzt. Kurzfristig wird das den Markt belasten – mehr Bewerber, mehr Druck auf Gehälter, längere Suchzeiten. Aber mittelfristig? Mittelfristig wird der Markt diese Fachkräfte absorbieren. Die Digitalisierung in der Schweiz ist noch lange nicht abgeschlossen, und erfahrene Leute mit Projekterfahrung in komplexen Umgebungen wachsen nicht auf Bäumen.

Der UBS-Aktienkurs ist seit der Ankündigung der CS-Übernahme um mehr als 100 Prozent gestiegen. Die Bank kommt inzwischen auf einen Börsenwert von 124 Milliarden Franken.

SRF-Analyse, Februar 2026

Diese Zahl fasst die Asymmetrie dieser Situation perfekt zusammen. Was für Aktionäre ein Triumph ist, ist für Tausende Angestellte eine existenzielle Krise. Der Börsenwert hat sich verdoppelt, während sich die Belegschaft um fast ein Viertel reduziert hat. Das ist der Strukturwandel im Banking, in einer einzigen Kennzahl verdichtet.

Und dieser Strukturwandel ist noch nicht vorbei. Die nächste Welle – angetrieben durch KI und Automatisierung – zeichnet sich bereits ab. Was heute ein Team von zehn Entwicklern macht, könnte in drei Jahren von fünf erledigt werden, unterstützt durch AI-gestützte Coding-Tools und automatisierte Testing-Pipelines. Wer das als Bedrohung sieht, hat Recht. Wer es als Signal versteht, sich weiterzuentwickeln, hat eine Chance.

IT-Fachkraft am Laptop bei einer Weiterbildung oder einem Meetup, symbolisch für berufliche Neuorientierung und Upskilling
Weiterbildung und Netzwerken: Für betroffene IT-Fachkräfte ist jetzt proaktives Handeln entscheidend.

Die grösste Bankenkrise der Schweiz seit 2008 hat eine IT-Talentflut ausgelöst, die den Markt für Monate, vielleicht Jahre prägen wird. Für Arbeitgeber ist das eine einmalige Gelegenheit, erfahrene Fachkräfte zu gewinnen. Für Betroffene ist es ein erzwungener Neuanfang – schmerzhaft, ja, aber nicht hoffnungslos. Denn eines hat sich in der Schweizer IT-Branche immer wieder gezeigt: Wer gute Skills hat, wer sich anpasst und wer sein Netzwerk pflegt, findet seinen Weg. Manchmal dauert es einfach etwas länger als geplant. Und manchmal führt der neue Weg an einen besseren Ort als den alten.

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